12. April 1915

  1. Brief    (Montag)

Meine liebe Emma,

Ich habe nichts von dir gehört, weder gestern noch heute, es kommt mir schon so lange vor. Ich bin sehr anspruchsvoll, nicht wahr ? Aber überanstrenge dich nicht damit, mir öfter zu schreiben, als du willst. Ich hätte große Lust, dir zu erzählen, was ich mache oder wo ich bin, aber das ist nicht möglich. Ich beuge mich gerne dieser Anforderung der Militärbehörden, denn ich verstehe, dass es notwendig ist. Wir schwatzen immer zuviel über die Truppenbewegungen. Es gibt so viele Spione.

Ich denke, du hast meine Briefe erhalten bzw. du erhältst sie nach wie vor regelmäßig. Ich schreibe dir jeden Tag. Es macht mich so glücklich, einige Minuten mit dir zu plaudern. Ich habe gerade dein Photo betrachtet. Je länger ich es anschaue, umso mehr finde ich, dass du müde und traurig aussiehst.

Arme kleine Emma, du, die du mich so sehr liebst, wie traurig muss es auch für dich sein, mich nicht mehr bei dir zu haben. Eines Tages werden wir dieses Glück vielleicht wieder haben, wenn es Gott gefällt. Ja, der Herr ist treu, er erhört diejenigen, die ihn mit Vertrauen anrufen.

Oh ! wie süß ist es, sich ihm anzuvertrauen. Das tröstet und macht stark. Wie oft hätte ich den Mut verloren, wenn Er mir nicht beigestanden hätte. Geht es dir nicht auch so ? Ich bitte Ihn oft, dich zu beschützen und dich zu segnen, wenn du es brauchst. Ich zweifle nicht daran, dass Er mich erhört.

Ah ! dieser Krieg ist sehr traurig. Aber vielleicht schickt er uns diese Prüfungen, um uns aus unserer Sorglosigkeit aufzuwecken. Auf dass alle Christen einen Nutzen für ihr ewiges Glück daraus ziehen !

Man sieht, was die Welt unter der Bezeichnung von « Fortschritt » hervorgebracht hat. Sie hat alles dafür bereitgestellt, dass die Menschen sich gegenseitig töten und ihre Leidenschaften zu befriedigen. Der Krieg ist eine Folge der Ungläubigkeit.

Das Böse beherrscht das Gute. Während die Diener Gottes die Liebe, den Frieden und die Gnade predigen, die Er jedem reumütigen Sünder gewährt, haben andere den Hass, den Egoismus und die Barberei in die Herzen sähen lassen. Der heilige Name Gottes wird missachtet, man macht sich keine Gedanken um Ihn und doch geschieht alles allein durch seinen Willen.

Diese Prüfungen bringen nicht wenige Gleichgültige zum Nachdenken, aber viele zögern, ihr altes Leben aufzugeben und « neu geboren zu werden », so wie der Herr es gesagt hat.

Ich glaube, viele werden davon profitieren. Viele kommen auf den rechten Weg zurück.

Liebe Freundin, ich bin bei guter Gesundheit.

In dieser Nacht hatte ich etwas kalte Füße. Wir sind in einem Schützengraben, in dem Wasser war und das Wetter ist nicht sehr warm. Insgesamt habe ich eine schlechte Nacht verbracht.

Tagsüber hat sich die Sonne etwas gezeigt. Jetzt ist es 2.30 Uhr, der Himmel zieht zu, wird es schneien oder regnen ?

Auf jeden Fall sind wir nicht mehr lange an vorderster Front, wo man kein Feuer machen kann. Bald werden wir uns vielleicht zurückziehen, uns ausruhen und unsere Sachen etwas in Ordnung bringen. Das ist auch nötig, denn ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mein Hemd schon lange nicht mehr gewechselt habe (seit dem 19. März).

Du kannst dir vorstellen, dass unsere Kleidungsstücke auch nicht besonders sauber sind. Du wirst bestimmt sagen, dass ich ziemlich faul bin und du mich nicht wiedererkennen würdest. Es ist aber gewiss nicht die Lust, die mir fehlt, sonders es ist einfach unmöglich, es anders zu machen.

Ich verlasse dich und beende meinen Brief, indem ich dich trotzdem fest küsse.

Viele Küsschen für Georges und küsse deine Eltern für mich.

Dein Reymond.

11. April 1915

  1. Brief

Meine liebe Emma,

Heute habe ich nichts von dir gehört, obwohl ich damit gerechnet habe. Gestern habe ich vergessen, dir für deine Blumen zu danken. Sie waren leider sehr welk, aber ich konnte erkennen, was es war. Ich weiß den Namen nicht, aber ich glaube, sie wuchsen auf der Mauer des Gärtchens.

Heute ist Sonntag, der Tag, der dem Herrn geweiht sein sollte, aber leider ! schenkt man dem in der Armee keine Aufmerksamkeit, man lässt uns arbeiten, als ob nichts wäre.

Bald werde ich für zwei Tage an die vorderste Front gehen. Aber ich lasse den Mut nicht sinken. Es kann sein, dass ich dir an diesen beiden Tagen nicht schreiben werde, du wirst daher eine kleine Unterbrechung haben, in der du nichts von mir hörst. Es gibt Familien, die seit 2 Wochen nichts gehört haben. Ich frage mich, warum. Du siehst, dass du froh sein kannst, von Zeit zu Zeit von mir zu hören. Heute habe ich einen Brief aus Francillon bekommen. Sie sind bei guter Gesundheit.

Ich wünsche mir, dass mein Brief euch alle bei guter Gesundheit erreicht.

Gott sei Dank halte ich mich gut, mein Schnupfen ist weg und ich huste überhaupt nicht mehr. Ist dein Arm geheilt ? Sag’ es mir. Adieu Liebling.

Bitte entschuldige, dass ich dir nicht länger schreibe.

Ich sende dir viele Liebkosungen und küsse dich ganz, ganz fest.

Dein Ehemann Reymond.

 

Ich habe dein Päckchen und einen Brief erhalten. Ich sagte es dir bereits in dem Brief von gestern.

10. April 1915

  1. Brief

 

Meine liebe Emma,

Ich habe gerade dein Päckchen bekommen mit einer Wurst, Schokolade und einer Dose, von der ich dachte, sie enthielte Feigenkonfitüre. Es war aber Johannisbeergelee drin. Er ist ausgezeichnet. Es hätte zu keinem besseren Zeitpunkt ankommen können. Ich hatte nur noch eine Tafel Schokolade. Manchmal esse ich zwei oder drei Riegel pro Mahlzeit. Manchmal auch fast gar nichts, je nachdem, was es gibt. Im allgemeinen ist die Nahrung ausreichend. Sie ist immer gleich, nur wenn es einen Zwischenfall gab, gibt es weniger. Aber wenn das Fett kalt ist, ist es nicht gut. Ich danke dir daher für dein Päckchen.

Gleichzeitig habe ich deinen Brief von Montag, 5. April bekommen. Er war nicht numeriert, aber es wäre Nr. 60 gewesen. Es ist unmöglich, dir zu sagen, wie glücklich ich war, eure Photos zu sehen. Es kam mir so vor, als sei ich bei dir, ich bin sehr glücklich. Ich habe die Bilder lange mit Küsschen bedeckt.

 

Liebe Emma, wie dünn du geworden bist, du siehst traurig und abgespannt aus. Bestimmt sagst du mir nicht die Wahrheit über deine Gesundheit. Oh ! sag’ mir die Wahrheit. Was unseren kleinen Georges angeht, er sieht sehr gesund aus, sehr aufgeweckt und er hat gut aufgepasst und in die Kamera geschaut. Er hat hübsche Kleidung, was die Form angeht (ich meine den Schnitt). Ich erkenne die Kleidung, du hattest mir ein Muster geschickt. Wieviele Photos hast du machen lassen ? Sind sie alle so ? Ich will nicht sagen, dass es mir nicht reicht, aber das Photo ist nicht groß. Es stimmt, es ist sehr billig. Endlich habe ich das große, sehr große Glück, dich anzuschauen. Es scheint mir, als wärest du näher bei mir. Ich werde euch sehr oft betrachten. Ich habe langsam nicht mehr viel Papier, denn ich war schon lange nicht mehr in meinem Offizierskasino, wo mein Vorrat ist. Du könntest ein Blatt in einen deiner Briefe legen. Es stimmt schon, bevor ich es erhalte, war ich bestimmt im Kasino, denn ich glaube nicht, dass man uns noch sehr viel länger in dieser Gegend lassen wird. Die Männer könnten es nicht ertragen. Man wird uns wahrscheinlich ablösen, und wir werden uns zurückziehen und ausruhen. So sind wir immer verfahren. Mach’ dir meinetwegen keine Sorgen. Ich wiederhole es in jedem Brief, aber ich weiß, dass du dich sehr nach mir sehnst und manchmal unruhig bist. Ja, wir sind darauf angewiesen, dass Gott uns ermutigt und uns hilft, dieses Unglück geduldig zu ertragen. Auf dass unser Vertrauen nicht schwinde.

Was kann ich dir jetzt noch sagen, ich weiß es nicht. In meinem Leben ist nichts Außergewöhnliches passiert. Es ist 10 Uhr morgens, einen Teil der Nacht hat es große Flocken geschneit, am Vormittag auch, aber jetzt schneit es nicht mehr so stark.

Ich habe dir jeden Tag geschrieben. Solange ich kann, werde ich es auch weiterhin tun.

Grüße alle Freunde von mir, vor allem Monsieur Delarbre.

Küsse deine Eltern und unseren kleinen Georges. Ich verlasse dich für heute, denn ich muss einen Verbindungsgraben zu den Schützengräben an vorderster Front graben. Er ist mit Holz abgedeckt und man kann dort tagsüber arbeiten. Ich werde mit meiner Einheit eine andere Einheit ablösen, die trotz des Wetters am Vormittag gearbeitet hat.

 

Ich bedecke dich mit Küssen sende dir einen damit gefüllten Brief.

Dein Ehemann Reymond.

9. April 1915

  1. Brief

 

Meine Geliebte,

Heute morgen habe ich deinen 58. Brief, eine Postkarte und den 59. Brief erhalten. Ich bin sehr glücklich, dass du endlich eine Karte von mir bekommen hast. Ja, Liebling, ich verstehe, wieviel Sehnsucht du nach mir haben musst, du, der du mich so sehr liebst, ich weiß es, auch ich liebe dich sehr, du kannst nicht erfassen, wie sehr, ich möchte dich glücklich wissen, deswegen schreibe ich dir so oft ich kann. Aber ich verstehe, dass du viel über mich nachdenkst. Ich bitte dich, dem Herrn zu vertrauen und dich ganz auf Ihn zu verlassen. Er kann mich inmitten der Gefahr beschützen. Du siehst, ich mache mir nicht soviele Sorgen wie du. Bis jetzt konnte ich alles ertragen, Gott sei es gedankt. Du sagst mir, dass Lydie mehr Glück hat als du. Das finde ich nicht. Ich möchte nicht verletzt werden, denn hier ist es nicht einfach, evakuiert zu werden. Ich sehe, dass du dir sehr viel Mühe mit den Photos gibst. Ich werde sie in den nächsten Tage bekommen, denn du wirst sie von Valence abschicken. Es freut mich zu hören, dass Maurice dir wieder helfen wird. Die Tagelöhner sind sehr teuer, aber du musst dein Möglichstes tun, um Viauja und den Onkel zu behalten. Sie werden dir sehr nützlich sein. Ich wollte dir eigentlich eine Zahlungsanweisung schicken, aber man hat mir meinen Sold noch nicht gezahlt. Das wird ein hübsches Sümmchen bringen. Wenn ich es versäumen sollte, könntest du Anspruch darauf erheben, wenn du von meinem Ableben erführest.

Man wird dir sagen, ob man mich bezahlt hat oder nicht. Heute bin ich nicht an vorderster Front. Wir können Feuer machen, aber der Schornstein von unserer Hütte funktioniert nicht, eigentlich gibt es gar keinen. Es schneit immer noch.

 

Ich mache Schluss und küsse dich zärtlich.

Empfange viele Liebkosungen

von deinem Reymond

8. April 1915

  1. Brief  

 Meine liebe Emma,

Gestern, am 7. April, habe ich dir eine kurze Karte geschrieben. Ich habe vergessen, sie zu numerieren. Es wäre die Nr. 55 gewesen. Ich habe seit zwei Tagen nichts mehr von dir gehört. Ich bin nicht allzu deprimiert, denn ich weiß, dass du mir nicht jeden Tag schreiben kannst, du müsstest zu viel laufen, um den Brief einzuwerfen. Übrigens passiert es mir häufig, dass ich zwei Briefe gleichzeitig bekomme.

In deinem letzten Brief hast du mir gesagt, dass du stolz auf unseren Georges wärest. Du glaubst vielleicht, er gehöre dir ganz allein. Oh ! ich wäre sehr verärgert, wenn du mir das bei meiner Rückkehr sagen würdest ! Aber ich weiß jetzt schon, dass du mir das nicht sagen wirst. Du bist so freundlich.

Bestimmt plappert er viel, er ist bestimmt unbesonnen. Lernt er wenigstens, höflich gegenüber Fremden zu sein ?

Sicher bleibt er nicht oft drinnen im Haus, er trippelt bestimmt immer draußen rum. Ist seine Schubkarre noch gut, er hat bestimmt Freude daran.

Liebe Emma, du hast lange nichts mehr davon gesagt, ob du noch viele Kartoffeln hast. Sind sie nicht zu verfault ? Läuft im Keller von Jacques das Wasser nicht ab ? Ich weiß, dass Wasser durch die Tür reinlaufen könnte, aber läuft es auch wieder ab ?

Ist la Faïne wieder gesund ? Hältst du die Außentüren des Stalls von hinten geschlossen ? Denkst du, du hast genug Holz für den ganzen Sommer ? Du hast mir nicht gesagt, was mit deiner Miraille los war.

Im Moment werden die Wiesen sicher wieder grün und bald werden die Bäume ausschlagen. Die Landschaft wird wieder schön werden. Mein Bruder sagte mir, dass die Wiesen und das Getreide schön wären. Hat man in den Weinbergen überall Weizen gemacht ? Und hat man Klee sähen können ? Hat der Kohl, den ich dort gepflanzt hatte, gute Ernte gebracht oder steht er noch dort ? Schlagen die oberhalb des Gartens im Moment aus ? Wieviele konntet ihr im Winter pflanzen ?

Ich frage dich so viele Dinge, bestimmt langweile ich dich.

Ach, mein Liebling, wie gerne wäre ich in deiner Nähe. Eines Tages werden wir wieder vereint sein, wenn es dem Herrn gefällt.

Wenn Er uns diese Gnade erweist, wäre es ein großer Segen, neben den vielen anderen, die er uns schon gewährt hat. Der Herr hat mir in der Tat große Privilegien eingeräumt. Er gibt mir Gesundheit, um alle Arten von Anstrengungen auszuhalten. Oft erhalte ich Nachrichten von dir und noch viele andere Dinge. Seit einigen Tagen sind wir immer am gleichen Ort. Gestern hatten wir einen schlechten Tag, es hat nur geregnet. Meine Männer snd ganz durchnässt. Heute sieht es so aus, als ob der Regen in Schnee übergehen wird. Der Regen hatte den alten Schnee geschmolzen, es gibt nur auf den Höhen noch welchen und hier, wo der Wind ihn hingetrieben hat. Es ist nicht allzu kalt. Ich weiß nicht, ob ich dir gesagt hatte, dass ich gegenüber von einem Dorf war. Ich höre die Glocken und die Turmuhren. Mit meinem Fernrohr sehe ich die Uhrzeit an den Turmuhren. So kann ich die Uhrzeit meiner Armbanduhr kontrollieren.

Nachts ist der Dienst nicht einfach. In diesen Kiefernwäldern ist es stockdunkel, man muss sich tastend orientieren. Auch die, die das Essen holen, haben unendliche Mühe, sich zurechtzufinden. Die Suppe kommt kalt an. Nur sehr wenige essen sie, meistens verschütten sie sie unterwegs, weil sie stolpern. Wir sehnen uns danach, abgelöst zu werden. Ich habe hier allerdings nicht gefroren.

Liebe Emma, macht dir dein Arm noch zu schaffen ? Schmerzt er noch ? Verheimliche mir nicht deinen Gesundheitszustand.

Ich habe nichts Interessantes mehr zu erzählen. Ich werde dir immer so oft wie möglich schreiben, aber verzweifle nicht, auch wenn du 2 oder 3 Tage keinen Brief bekommst.

 

Küsse deine Eltern und Georges.

Viele sanfte Liebkosungen von deinem

Reymond.

 

Ich schicke dir deinen 52. Brief zurück, den ich behalten hatte und lege auch deinen 56. dazu. Hoffendlich kommt alles bei dir an.

7. April 1915

  1. Brief 

 

Meine liebe Emma,

 

Ich habe deinen 58. Brief bekommen. Er verkündet mir leider das grausame Unglück, in das Isaac gestürzt ist. Es muss sehr hart für ihn sein. Der Herr helfe ihm, dieses Unglück zu ertragen.

Ich bin froh, dass du Georges da, wo du hingehst, mitnimmst. Er muss sehr glücklich sein. Ich sehne mich sehr nach euren Photos.

Ja Liebling, ich wünsche mir sehr, dass er früh damit beginnt, den Herrn zu lieben.

Was soll ich noch sagen, gestern habe ich dir einen langen Brief geschrieben und heute morgen habe ich meinem Bruder und meiner Schwester Emma geschrieben, zwei lange Briefe. Ich vernachlässige dich etwas, aber glaube nicht, ich würde dich nicht lieben, das vielee Schreiben macht nur müde. So Gott will, werde ich dir morgen einen etwas längeren Brief schreiben. Ärgere dich deswegen heute nicht. Ich bin immer noch bei recht guter Gesundheit, mein Schnupfen ist fast weg. Ich wünsche dir gute Gesundheit und küsse dich fest.

 

Ich sende dir viele Küsschen.

Dein Ehemann, der dich sehr, sehr liebt, Reymond.

6. April 1915

  1. Brief  

 

Meine Geliebte,

Ich bekomme eben deinen 57. Brief vom 29. März. Er macht mich sehr froh, denn ich sehe, dass du nicht mehr so deprimiert bist. Man merkt es daran, wie der Brief verfasst ist. Das hast du sehr gut gemacht, dass du dich mit Georges hast photographieren lassen. Morgen wird er 3 Jahre alt. Ich habe ihn seit mehr als 8 Monaten nicht gesehen. So werde ich vielleicht die Freude haben, euch beide auf Photos wiederzusehen. Aber es wird noch einige Tage dauern, bevor ich diese Photos bekomme. Es sind bestimmt Postkarten, denn für diesen Preis kann man nichts besonders Schönes erwarten. Aber für mich wird es sehr angenehm sein, wenigstens das zu haben. Wie du sagst, wäre es sehr schön gewesen, wenn wir uns vor dem Krieg hätten photographieren lassen. Wenn wir das Glück haben, uns hier auf Erden noch einmal wiederzusehen, dann machen wir es, nicht wahr ?

In diesem Zeitraum von 8 Monaten habe ich viele traurige Dinge gesehen. Als ich vor kurzem in diese Gegend kam, wo ich jetzt seit mehr als 2 Wochen bin, habe ich ein Beispiel für die Auswirkungen des Krieges gesehen, das mich sehr betroffen gemacht hat, genauer gesagt hat es mir das Herz zerrissen.

Ich habe gezögert, es dir zu erzählen, nicht wegen der Zensur, denn ich nenne den Ort nicht beim Namen, sondern um dich nicht aufzuregen. Ich kann nicht anders, heute muss ich es dir erzählen.

Wir sind um 2 Uhr morgens bei eisiger Kälte auf einer mit gefrorenem Schnee bedeckten Straße aufgebrochen, der Marsch war sehr mühsam, wir hatten Mühe, auf den Beinen zu bleiben, alle Augenblicke fiel einer von uns lang hin. Das alles machte nichts, wir haben uns sogar darüber amüsiert und wir wetteiferten darum, wer am längsten auf den Beinen bleibt. Bei all diesen Stürzen hatte nur einer der Arm ausgerenkt.

Bald kreuzten wir die Krankentransporte, die die Verletzten von den Kämpfen am Vorabend wegbrachten. Das beunruhigte uns nicht übermäßig, denn das ist normal. Am traurigsten war, als ich die Zivilisten gesehen haben, die meisten davon Frauen und Alte, die ihr Vieh vor sich her trieben und ein kleines Bündel auf dem Rücken trugen.

Die Tiere stolperten und versperrten uns den Weg. Dann kamen Wagen, eingespannt mit Pferden, mit einem Paar Kühe, manchmal auch nur mit einem Tier wie einem Pferd (das ist hier in der Gegend so üblich, nebenbei bemerkt). Diese Wagen waren mit dem wichtigsten und wertvollsten Hausrat beladen. Das Gespann ruschte, der Anstieg war holperig. Die Straße stieg steiler an als die von Pin und verlief durch Gelände mit mehr Gefälle. Oft mussten die Fahrer die Hand an die Räder legen und schieben. All das lief im Stillen ab, da wir uns in der Nähe des Feindes befanden und Gefahr liefen, Granaten abzubekommen.

In der Zwischenzeit begegneten uns Gruppen unglücklicher Frauen, die Babys in ihren Armen hielten oder einen Handwagen schoben ; weitere Kinder von 2, 3 oder 4 Jahren klammerten sich an sie. Alle erklommen die Steigung in der Nacht bei Eis, Schnee und eisiger Kälte.

Oh ! Ich werde niemals diesen Anblick des Krieges vergessen. Unter diesen Kinder waren welche, die weinten und diese armen Mütter, die mit großer Mühe ihre Tränen zurückhielten, um ihre Kinder nicht zu beunruhigen. Arme Babies ! einer solchen Temperatur ausgesetzt zu sein.

In diesem Moment, wo ich an all dieses Unglück denke, kann ich meine Tränen nicht zurückhalten. Manchmal frage ich mich, ob es nicht ein Traum oder eine Vision ist, die ich gehabt habe. Aber es ist die Realität.

In der Ferne hört man Kanonenfeuer ; von Zeit zu Zeit durchzieht der unheilvolle Blitzstrahl der Kanonen den Horizont. Das Echo der Detonationen wird von Schlucht zu Schlucht zurückgeworfen und scheint den Unglücklichen zu sagen : beeilt euch, der Tag wird anbrechen und ich werde den Tod auf euch, die ihr flieht, speien.

Unterwegs machte ich mir keine Gedanken um die Gefahr, auf die wir uns zubewegten. Es war mir gleichgültig, ins Feuer zu gehen, es ist ja unsere Pflicht und es war auch nicht das erste Mal. Das regt mich nicht auf. Ich habe Familienväter fallen und ihr Leben aushauchen sehen, aber das erscheint, um es mal so zu sagen, natürlich ; aber diese Unglücklichen aus ihren gastfreundlichen Dörfern fliehen zu sehen, in die die Wellen den Todes schwappen, das war tausendmal beeindruckender und schmerz-voller durch diese kalte und schwarze Nacht. Man hätte sagen können, Schatten fallen auf das Weiße des Schnees. Ein anderes Schauspiel, eine sehr alte Frau, sie sah nichts, denn sie bewegte sich tastend vorwärts, verlassen ; wird sie ihr Ziel erreicht haben, ich bezweifle es.

Oh ! Liebling, meine Gedanken schweiften auch zu dir, ich fragte mich, was du machen könntest, wenn dir ein ähnlich Unglück geschähe, wenn du von Zuhause fliehen müsstest. Es ist ein großer Segen, dass die Gegend, in der wir leben, nicht der Kriegsschauplatz ist.

Oh ! liebe Emma, ich kann dir dies nicht weiter beschreiben, es ist zu traurig. Tuen wir uns zusammen und bitten Gott, Mitleid mit diesen Unglücklichen zu haben und diesen schrechlichen Prüfungen ein Ende zu setzen.

 

Du sagst mir, dass sich dein Spaziergang nach Valence gelohnt hat. Georges muss dir Fragen über das, was er gesehen hat, gestellt haben. Erinnert er sich an etwas ? Du hast mir nicht gesagt, wie ihr vor dem Photographen posiert hat. Ich bat dich in einem Brief, den du übrigens nicht rechtzeitig bekommen hast, Georges hinzustellen. Ich hätte mir ein Bild von seiner Größe im Verhältnis zu dir machen können. Wenn ihr es anders gemacht habt, mache dir deswegen keine Gedanken.

Seine Tanten haben ihn wirklich zu sehr verwöhnt. Ich bin sicher, er wird den Spaziergang wiederholen wollen, und wenn es nur darum geht, Kuchen zu holen.

Das hast du gut gemacht, die Glyzinienpflanze mitzubringen. Wenn es Gott gefällt, werden wir eine Gartenlaube im Gärtchen damit machen. Das wird sehr schön sein. Du hast einige Tage lang keine Briefe bekommen. Es kommt manchmal vor, dass ich keine Zeit habe, aber ich denke deswegen nicht weniger an dich, ich liebe dich sehr, mein kleiner Liebling. Seit dem 1. April habe ich dir jeden Tag geschrieben, außer am 4. April.

Heute schreibe ich dir aus den Schützengräben, ich bin in einem Loch. Seit einer Viertelstunde bombadieren wir viel, die Granaten fliegen über meinen Kopf in Richtung der feindlichen Batterien. Man könnte sagen, jeder ist mal dran. Heute morgen waren es die der Deutschen, die über uns herflogen.

Ich werde meinen Brief unterbrechen, um einen Kontrollgang zu machen.

 

Grüße alle unsere Freunde, die du triffst, von mir und sag’ mir Bescheid, wie es der Tante der Bâtiment geht. Küsse deine Eltern und unseren lieben, kleinen Zouzou.

 

Ich küsse dich fest und bedecke dich mit sanften Liebkosungen.

Dein dich liebender Gemahl

Reymond.

 

P.S. Ich sende dir mit diesem Brief einen von deinen Briefen zurück.

5. April 1915

  1. Brief

 

Meine liebe Emma,

Gestern konnte ich dir nicht schreiben, ich bin in den Schützengräben an vorderster Front. Ich bin in einem Tannen- und Kiefernwald. Die Bäume sind klein und man kann nicht weit sehen. Die Deutschen sind 500 – 600 Meter entfernt. Ich bin oberhalb von zwei Dörfern. Eins ist 800 Meter entfernt. Es ist am Fuße des Berges, wo ich bin und die Hänge sind steil. Deswegen wäre es sehr schwierig für sie, uns von vorne anzugreifen.

Man hört die Glocken und Turmuhren schlagen, denn unsere Artillerie schießt nicht auf die Häuser. Das ist sehr erstaunlich, denn es besteht kein Zweifel daran, dass die Soldaten sich da drin verstecken. Wir fragen uns, warum wir nicht auf sie feuern.

Was die Gefahr angeht, geht es mir gut, aber die Unterbringung ist immer noch gleich. Obwohl wir Häuser vor uns haben, müssen wir in Hütten aus Ästen schlafen. Unseren Nachbarn geht es besser als uns. Sie würden ihr Dach nicht teilen wollen. Es stimmt aber, wir haben sie auch nicht darum gebeten.

Seit 1 Uhr morgens ist das Wetter mild, aber es fällt ein feiner und durchdringender Regen. Auf den Höhen ist es wahrscheinlich Schnee. Ich bin auf einer geringen Höhe und dieser Regen hat den Schnee fast weggeschmolzen. Aber er hat auch meine Männer durchnässt. Ich bin froh, dass ich einen Regenmantel habe.

 

Ich verlasse dich für heute und küsse dich fest.

 

Dein Gemahl Reymond.

 

Mein Liebling,

bevor ich diesen Brief zumache und mich ausruhe, füge ich noch dieses Blatt bei. Tagsüber ruhe ich mich so viel wie möglich aus, meine Unteroffiziere kümmern sich um die Wache, tagsüber ist es nicht so schwierig wie nachts. Deswegen schlafe ich nachts weniger und kann Kontrollgänge machen.

In einem meiner Briefe habe ich dich gebeten, mir ein Päckchen zu schicken. Ich weiß nicht, ob du diesen Brief bekommen hast. Das könnte ich hier gut gebrauchen, denn die Suppe kommt kalt an und ist ungenießbar. Das Fleisch ist kalt auch nicht appetitlich. Es ist zu fettig und schwer verdaulich. Ich esse einige Sardinen mit meinem Brot, aber am Ende ist man es leid. Wenn du eine gut verschließbare Dose finden könntest, in die ein halbes Pfund Butter oder etwas mehr passt, könntest du sie mit frischer Butter füllen und ein bisschen feines Salz zum Konservieren dazu tun. Eine Schachtel Kakao wäre vielleicht nicht schlecht. Damit käme ich mehrere Tage aus. Man muss ja nicht eine große Menge auf einmal schicken. Mein Vorrat an Schokolade geht zur Neige, aber vielleicht kann ich mir hier welche besorgen.

 

Bis morgen.

Reymond.

28. März 1915 ER erhalten am 4. April

  1. Brief  Bergerons

Geliebter Reymond,

Heute am Sonntag gehe ich nicht aus, bis jetzt bin ich fast den ganzen Tag mit meinem kleinen Georges alleine gewesen – es ist 3 Uhr. Wie ich dir sagte, wurde gestern Nachmittag mein Papa zu meiner Tante geholt, die sehr krank ist. Bei Einbruch der Nacht ist er zurück-gekommen und Mama ist hingegangen, um die Nacht dort zu verbringen. Gegen Abend ist der Doktor, Monsieur Bouvat, gekommen, um nach ihr zu sehen, und er hat uns keine Hoffnung auf Heilung gemacht. Er hat einige Medikamente verordnet, die mein Papa am Vormittag in St. Péray geholt hat. Jetzt, in diesem Moment, wo ich schreibe, ruht er sich ein wenig aus, während die Kühe fressen ; anschließend, nachdem er sie hat trinken lassen oder beim Melken geholfen hat, wird er wieder hingehen, um die Nacht dort zu verbringen und Mama kommt, um hier zu schlafen. Mama ist tagsüber kurz gekommen, aber sie musste wieder zurückgehen. Zu dem Zeitpunkt war bei ihnen nur Mariette de Fringuet, und weil sie so krank ist, müssen immer zwei Personen bei ihr sein, um sie zugedeckt zu halten oder um ihr zu geben, wenn sie etwas braucht. Man kann sie nicht allein lassen.

Welch grausame Neuigkeiten für den armen Isaac ! Gestern habe ich ihm eine Karte geschickt, um ihn in Kenntnis zu setzen, dass seine Mama schwach ist. Ihm wurde noch nichts gesagt und ab dem Moment, wo die Krankheit fortschritt, dachte ich, dass man ihm die Wahrheit nicht verschweigen darf. Gestern hat Monsieur Bouvat gesagt, dass es sehr gut möglich sei, dass sie übermorgen nicht mehr am Leben wäre. Deswegen war es vielleicht gut, dass ich Isaac noch heute einige Zeilen geschickt habe, um ihm zu sagen, dass es ihr schlechter geht. Ich werde ihm nicht die Dinge sagen, wie ich sie dir gesagt habe, das würde ihn zu sehr aufregen.

Zuhause wollte seine Schwester ihm schreiben, aber das hindert mich in keinster Weise daran, ihm auch einige Zeilen zu schicken, ich habe ja gestern angefangen, ihn zu benachrichtigen. Armer Isaac, wie ich ihn bedaure. Wenn man bedenkt, dass wir seinen Papa beerdigt haben, ohne dass er kommen konnte und so wie es aussieht, wird es bei seiner Mama genauso sein. Wieviel Elend auf dieser armen Erde !

Es scheint, als ob mein Onkel Siméon heute morgen nach Hause gekommen ist, er kam aus Alboussière. Er hat sich nicht dort aufgehalten, sie waren mit ihnen nicht mehr befreundet als mit uns, als sie miteinander zutun hatten ; ich frage mich, warum er es gewagt hat, dort hinzugehen) Aber damit wollte ich mich gar nicht aufhalten, ich wollte dir nur sagen, dass meine Tante ihren Mund aufgemacht hatte, um ihm zu sagen, an welchen Ort des Glücks sie ginge und wie sehr er ihre Ankunft bei ihrem Heiland verzögere. Diese Worte müssen Siméron sehr merkwürdig vorgekommen sein. Er hat ihr nicht geantwortet.

Mein Liebling, ich glaube, heute werde ich nicht lange mit dir plaudern. Im Moment weiß ich nicht, was ich dir sagen soll. Ich denke an all dieses Elend und den Kummer und ich kann nur schreiben. Die Arbeiten ?

Willst du, dass ich davon spreche ? Mein Papa hat den Klee gemacht, aber gestern konnte er den, den er auf dem Boden von Jacques gesäht hat, nicht zuende walzen ; es hat angefangen, zu regnen, auch heute hat es noch einen Großteil des Tages geregnet. Jetzt klart das Wetter auf, vielleicht wird es schön. Seitdem ich dir die Kosten für die Tagelöhner mitgeteilt hatte, haben wir nur noch Viauja gehabt. Trotzdem kannst du anhand der Informationen, die ich dir gebe, verfolgen, dass deine Arbeit teilweise gemacht wird, zumindest das Wichtigste. Die Äcker sind nicht leer.

Gott sei Dank geht es meinem Papa nicht schlecht, so kann er viel arbeiten. Trotzdem sagt er manchmal, dass er sich nicht in der Lage sieht, alles zu schaffen, wenn die großen Arbeiten anstehen, mit den wenigen Tagelöhnern, die man dann finden wird. In dem Zusammenhang hat er mir vorgeschlagen, die Kühe in Rondez zu lassen, da, wo das Gras kurz ist ; auf diese Weise würde das Vieh dort leben und man müsste sich keine Sorgen machen, dass das Gras vertrocknet.

Wenn du dagegen bist, lasse ich es nicht machen, aber für mich wäre es, glaube ich, nicht schlecht. Solange, wie die Wiesen nicht gemäht sind, kann der Kuhhirte die Kühe nicht ganz alleine hüten, daher würde ich ihm jeden Tag ein paar Stunden helfen müssen und anstatt ihnen Heu oder anderes Futter zu geben, wenn sie in den Stall kommen, würden sie sich größtenteils auf der Wiese satt essen. So blieben dem Kuhhirten jeden Tag ein paar zusätz-liche Stunden, um meinem Papa zu helfen. Viele Leute haben mir gesagt, dass sie es so machen wollen. Was willst du ? Irgendwie kommen wir zurecht ; wenn der Krieg nicht aufhört, werden wir nicht viele Leute für die Arbeit auf dem Feld sein. In den letzten Tagen habe ich Marie de Bellin gesehen, wie sie mit ihrem Bruder ihr Getreide gewalzt und Mist verteilt hat. Ich mache solche Arbeiten nicht. Mein Gesundheitszustand erlaubt es mir nicht. Obwohl ich nicht krank bin, bin ich nie eine der Stärksten gewesen. Wenn ich nicht genug schlafe oder mich zu sehr anstrenge, habe ich wieder Kopfschmerzen. Letzte Nacht habe ich wenig geschlafen und heute habe ich einen schweren Kopf. Mein Arm schmerzt sehr. Ich muss noch eine Dose Zugpflaster kaufen, denn ich habe noch Schmerzen in einem Ohr und wenn ich dieses Zugpflaster nicht mehr benutze, obwohl ich es eigentlich noch bräuchte, hätte es später vielleicht große Nachteile für mich. Ich weiß nicht, ob wir morgen mit Georges nach Valence gehen werden. Ich hoffe es und werde dir ein paar Zeilen schicken, wenn ich dort bin.

Adieu, mein Geliebter, ich werde dir länger schreiben, wenn ich besser gelaunt und nicht so traurig bin. Ich gebe dir ganz viele Küsse auf beiden Wangen und den Bart.

 

Deine dich liebende Gemahlin Emma.

 

Habe ich dir schon gesagt, dass der Sohn Fayat de Fialaix mit einer Schulterverletzung in Romans ist? Was den anderen betrifft, den, der mit Sylvie verheiratet ist, von ihm weiß man gar nichts.

 

Georges ist mir auf die Nerven gegangen, soviel er konnte, während ich dir schrieb. Der arme Kleine wollte, dass ich mit ihm spiele und ich, ich habe ihn deswegen weinen lassen. Schließlich habe ich seine kleine Hand in meine genommen und er hat dir diesen Brief geschrieben, er war sehr glücklich, sehr stolz.

Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn nach Valence mitnehmen würde, daran hat er viel Freude. Er stellt mir jede Menge Fragen darüber, aber vor allem will er wissen, ob ich ihm einen Kuchen kaufe ?..

Oh ! der kleine Feinschmecker. Jetzt ruft er gerade seinen Großvater, der die Kühe tränkt, ob er mit ihm spielt. Er langweilt sich so alleine bei seinen Spielen, das kann man verstehen.

Einmal hast du mich gefragt, ob wir genug Heu hätten. Es sind noch mehrere Heuhaufen übrig. Zwei haben wir an die Tiere verfüttert, den Schlechtesten und einen der Alten.

Im Laufe der Woche müssen wir noch einen reinholen (ich denke, dass uns Onkel Eugène diese Woche helfen wird, er hat einige Tage in Fraisse geholfen, um bestimmte Schulden zu bezahlen). Es sind noch 4 Heuhaufen draußen, davon 2 kleine. Der Dachboden der Ziegen ist noch halb voll.

Wir haben noch jungen Klee auf dem Dachboden von Jacques, reichlich für die Schweine. Wenn wir die Kühe in Rondez halten, würde uns wahrscheinlich einer der großen Heuhaufen bis weit in den Sommer reichen.

 

Emma hat mir nicht noch mehr über den von Mellys gesagt, als das, was du schon weißt.

Brief von Georges an seinen Papa

 

Lieber Papa, ist es nicht lieb von mir, dir einen kleinen Brief zu schreiben ?

Die Mama hält meinen kleine Hand in ihrer und ich bin sehr froh, sie von ihr führen zu lassen. Ich lache darüber und mache Bemerkungen, wenn ich unsere Schrift sehe, die ich nicht lesen kann.

 

Ich sende dir viele Küsschen und wünsche mir, dass du bald kommst.

dein kleiner Georges.

3. April 1915

  1. Brief  

 

Meine liebe Emma
Gestern habe ich dir geschrieben, aber ich glaube, ich habe vergessen, eine Nummer auf den Brief zu schreiben. Du kannst es dir notieren, der Brief vom 2/4 hat die Nr. 51. Ich habe noch einen anderen geschrieben, auf den ich die Nummer von außen geschrieben habe. Ich glaube, es war die Nr. 50.

Ich bekomme gerade deinen 56. Brief vom 28/3. Leider keine guten Neuigkeiten. Die Tante der Bâtiments, die ohne Hoffnung auf Heilung ist. Armer Isaac, es tut mir sehr leid, das zu hören. Er wird sehr traurig sein, denn hier verzweifelt man schneller. Die moralischen Prüfungen wiegen schwerer, da man so viele körperliche Anstrenungen aushalten muss. Du sagst, dass er nicht zur Beerdigung seiner Mama wird kommen können. Ich glaube nicht, dass man ihm Urlaub genehmigt. Es ist unmöglich. Der Herr stehe ihm in dieser schweren Zeit bei, wenn es so kommt.

Siméon muss in der Tat überrascht gewesen sein, von der Tante zu hören, dass sie glücklich wäre, diese Erde zu verlassen. Für den, der seine ganze Hoffnung in diese Welt setzt, muss es schwer sein, an den Abschied und die letzte Trennung zu denken. Es sei denn, man ist jemand, der trotz aller dieser schweren Prüfungen die feste Hoffnung hat, dass, wenn wir dieses Zelt verlassen, wir eine himm-lische Wohnung haben werden, die nicht von Menschenhand gemacht ist und die der Herr Jesus für uns vorbereitet hat. Ich habe gemerkt, dass du sehr deprimiert warst. Oh ! Liebling, lass dich nicht von all diesem Unglück entmutigen, sei stark und tapfer. Der Gedanke, dass es für dich noch schlimmer werden könnte, macht mir Kummer. Ich könnte mich nicht damit trösten, dich stark und tapfer zu wissen. Bei deiner schwachen Gesundheit liefest du Gefahr, zusammenzubrechen oder ernsthaft zu erkranken. Unser armer kleiner Georges wäre ganz allein. Wenn ich daran denke, kommen mir die Tränen.

Ich befürchte, dass du mir nicht die ganze Wahrheit über deine Gesundheit sagst. Du hattest mir gesagt, dass dein Arm fast wieder geheilt sei und jetzt macht er dir wieder so viele Probleme. Wahrscheinlich arbeitest du zuviel und pflegst dich nicht genug. Das ist ein ungünstiger Zeitpunkt. In dem Moment, in dem deine Eltern nicht mehr immer bei dir sein werden, wirst du noch mehr Arbeit und auch Kummer haben.

Oh ! wie werde ich mich nach Neuigkeiten von dir sehnen. Schreibe mir, so oft du kannst, auch wenn es nur ein paar Worte sind…. eine kleine Karte.

Oh ! ich bitte dich, verschweige mir nichts über deine Gesundheit. Gib gut auf deine Gesundheit acht, suche einen Arzt auf, ich werde mein Möglichstes tun, dir soviel Geld wie möglich zu schicken. Hast du den Brief vom 2/4 bekommen, in den ich einen 5 Francs-Schein gelegt hatte ? Du wirst zum Arzt gehen und gut auf deine Gesundheit achtgeben, nicht war ?

In deinem Brief sagtest du mir, dass du die Kühe auf der Wiese von Jacques hüten würdest. Du wirst sehen, dass ich dir bei dieser Idee zuvorgekommen bin. Das ist das Beste, was man machen kann. Man muss das Heu auf den am nächsten liegenden Wiesen machen und vor Ort zu Heuhaufen aufschichten, das macht am wenigsten Arbeit.

So auch in Préaux, wenn man das Gras nicht schneiden kann, sollte man es einfach lassen. Es ist weit weg und es gibt nicht viel Heu. In Rondez ist eine Wiese, die mehr hergibt und leicht zu ernten ist. Die Ränder der Wiesen müssen nicht so akkurat abgeerntet werden. Dein Papa weiß aber gut, was zu tun ist.

Gleichzeitig mit deinem Brief habe ich eine Karte von Emma de Francillon bekommen. Sie spricht von deinem Brief. Sie schreibt mir jede Woche, das ist sehr nett von ihr. Ich habe auch eine Karte von meiner Schwester Emma erhalten. Sie ist kurz und sagt mir nichts Neues. Hat Georges seinen Brief bekommen ? Ich habe mich sehr über seinen kleinen Brief gefreut, begreift er, dass das Papier sprechen kann ? Er ist noch sehr jung.

Liebe Emma, ich werde wieder in die Schützengräben an vorderster Front gehen. Aber wir werden nicht am gleichen Ort sein. Es ist weiter entfernt von den Deutschen. Um uns anzugreifen, müsste ein steiler Anstieg überwunden werden, deswegen ist es weniger gefährlich für uns.

Wenn du diesen Brief bekommst, werden wir wieder da sein, von wo ich dir schreibe. Wir lösen uns oft ab. Heute fallen einige feine Schneeflocken. Das Wetter ist wieder kalt. Gestern ist der Schnee in der aufgehenden Sonne geschmolzen, aber auf der Nordseite schmilzt er nur sehr langsam. Trotz allem leide ich nicht allzusehr unter der Kälte.

Was könnte ich dir noch erzählen, ich warte damit bis morgen, so Gott will.

Danke für die Zeitschrift, die du mir geschickt hast.

Für heute mache ich Schluss und verlasse dich, indem ich dich in meine Arme nehme.

 

Viele Küsschen für Georges und küsse auch deine Eltern für mich, sag’ ihnen, dass ich sehr oft an sie denke und dass ich ihnen für ihre Bemühungen für mich danke.

 

Dein Gemahl Reymond.